Frankenberg(pm). Im Info-Café Mutmacher des Klinikums Waldeck-Frankenberg am Standort Frankenberg waren diesmal zwei besondere Gäste eingeladen, die Chemo-Patientinnen mit gutem Rat und einer liebevollen Geste beistehen. Gunda Riedesel strickt Wollsocken, um kalten Füßen während der Behandlung zu trotzen, Apotheker Thorsten Junk gab
wertvolle Tipps rund um die Wirkungen und Nebenwirkungen der medikamentösen Therapie.
Bunte Socken wärmen Fuß und Herz
Jede achte Frau in Deutschland erhält die Diagnose Brustkrebs. Oft folgt eine Chemotherapie, bei der langandauernde Infusionen den Körper fordern. Eine häufige, unangenehme Begleiterscheinung sind dabei kalte Füße – ein Problem, das Patientinnen das ganze Jahr über und nicht nur im Winter belastet. Für die 76-jährige Gunda Riedesel aus Hatzfeld ist Stricken eine große Leidenschaft. Sie erfuhr zufällig, dass in der Chemo-Ambulanz des Krankenhauses Wollsocken für die Patientinnen benötigt werden. Kurz entschlossen begann sie, Wolle zu besorgen und daraus warme, weiche, bunt gemusterte Socken zu stricken. Unterstützt wird sie auch von ihrer Tochter Anja Riedesel, die ihr Wolle mitbringt und sie auch zur Übergabe der fertigen Socken begleitet hat: „Meine Mutter schafft ein Paar Socken pro Tag. Sie versorgt unsere ganze Familie und wir tragen sie alle sehr gerne.“ Die Leitende Oberärztin Gabriele Schalk, die zurzeit die kommissarische Leitung der Klinik für Gynäkologie und Geburtshilfe übernommen hat, dankte beiden herzlich für ihr Engagement und die Spende der Strümpfe: „Ich bin begeistert von der aufwendig doppelt gestrickten Ferse, das ist Profi-Arbeit. Die Socken sind wunderschön bunt und weich und ein liebevolles Trostpflaster für unsere Patientinnen.“
Fachwissen nimmt die Angst vor der Therapie
Neben der emotionalen Unterstützung bot der Nachmittag wichtige fachliche Einblicke durch Apotheker Thorsten Junk, Inhaber der Lahn-Apotheke in Gießen. Seine Apotheke ist ein spezialisierter Partner des Klinikums und eine Fachapothekerin für Onkologie stellt die individuellen Infusionen für die Chemotherapien in Frankenberg her. In seinem Vortrag legte Junk großen Wert darauf, Vorbehalte gegenüber der medikamentösen Therapie abzubauen. Er erläuterte, wie moderne Begleitmedikamente Nebenwirkungen heute effektiv abmildern können. Ein zentraler Appell des Experten galt der Sicherheit: „Vertrauen Sie Ihrem behandelnden Arzt und nicht selbsternannten Internet-Experten“, so Junk. Er warnte eindringlich vor unkontrollierter Selbstmedikation mit frei verkäuflichen Präparaten oder Nahrungsergänzungsmitteln, da diese gefährlichen Wechselwirkungen auslösen oder den Therapieerfolg gefährden könnten. Er erklärte, wie die Mediziner mit einer ausgeklügelten Begleitmedikation die Nebenwirkungen abmildern und durch eine engmaschige Kontrolle den Verlauf der Therapie begleiten. Im Fall von starken oder ungewöhnlichen Nebenwirkungen, melden sich die Ärzte beim Apotheker, um gemeinsam das weitere Vorgehen abzustimmen und falls notwendig, alternative Medikamente zu finden. Bei Bedarf vermittelt die Chemo-Ambulanz in Frankenberg ihren Patientinnen auch den direkten Kontakt zur Fachapothekerin für Onkologie.
Einfache Hausmittel mit großer Wirkung
Apotheker Junk betonte zudem, dass Patientinnen bereits mit einfachen Mitteln viel erreichen können, ohne dafür eine Apotheke aufsuchen zu müssen. So ist Leinöl aufgrund seines hohen Anteils an α-Linolensäure seine wichtigste Empfehlung, um Entzündungen im Körper entgegenzuwirken. Für die Pflege der Mundschleimhaut empfahl er Spülungen mit Olivenöl, die beruhigend auf Irritationen wirken. Um der gefürchteten Übelkeit vorzubeugen, riet der Experte zu regelmäßigen kleinen Mahlzeiten und einer ausreichenden Trinkmenge. Besonders wichtig sei es zudem, verordnete Medikamente gegen Übelkeit (Antiemetika) strikt nach Zeitplan einzunehmen, um die Symptome von Beginn an effektiv auszubremsen. Neben diesen fachlichen Informationen nahm sich Junk im Anschluss viel Zeit, um auf die individuellen Fragen der Gäste einzugehen. Das Info-Café „Mutmacher“ bleibt damit ein wichtiger Ort des Austauschs. Der nächste Termin findet im März statt; das genaue Datum und das Thema werden zeitnah über die Webseite des Klinikums sowie die lokale Presse bekannt gegeben.














